

INGRID ISERMANN, DIE ANATOMIE DER WORTE, VISUELLE KONKRETE POESIE, GEDICHTE, TEXTE, POEMS, LITHOGRAPHIE ASK WHY. Wolfsberg Verlag, 2014




Postcards Visuelle Poesie
Eugen Gomringer (1925-2025)
Mit ihrer neuen Gedichtsammlung «Die Anatomie der Worte» bekennt sich Ingrid Isermann zur Konkreten Poesie in deren authentischster Form. Das bedeutet, dass es daneben noch eine zweite Form der Konkreten Poesie gibt, der jedoch statt der eindeutigen Zugehörigkeit die Rolle eines Zweiges zukommt, dem Mehrdeutigkeit zugeschrieben werden kann. Visuelle Konkrete Poesie stellt sich heute, das heißt insbesondere seit den frühesten 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, dar in einer Spielart plakativer Sprache. Sie versteht sich im Anspruch auf «Augenhöhe» zum Leser jüngerer Generationen, die rasch verstehen und rasch kommunizieren wollen.
(Auszug aus Vorwort: «Die Anatomie der Worte»)
Britta Schröder: EROS UND ROSE
Wer kennt ihn nicht, diesen Moment?: Man denkt ein Wort, man spricht es aus – und wiederholt es so oft, bis es nur noch Klang ist oder Rhythmus und man sich partout nicht mehr daran erinnert, was es eigentlich bedeutet. Die Buchstaben und Silben, eben noch sinnvoll verbunden, stieben auseinander wie ein Vogelschwarm von dem Geländer einer Brücke. Sie lösen sich, werden einzeln sicht- und hörbar, lassen uns für einen Augenblick stutzig zurück, um dann wiederzukehren und sich erneut zusammenzusetzen. Und plötzlich begreifen wir viel besser als zuvor, wie dieses kurzfristig von Sinn befreite Wort gebaut ist.
Der Künstlerin und Lyrikerin Ingrid Isermann gelingt mit ihren Arbeiten genau dies: die Anatomie der Worte vor Augen zu führen. Ihre Wortbilder spielen mit dem Moment zwischen Auflösung und Neuordnung, mit diesem kurzen Taumel, der sich jenseits des Geländers einstellt und in dem uns wohlvertraute Dinge gleichermaßen fremd wie anziehend erscheinen.
(Auszug aus Vorwort: «Die Anatomie der Worte»)









